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Krimiraten Ludwig
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Der Rosenkavalier



  „Wer von euch kann mir noch mal die genauen Lebensdaten Brentanos nennen?“, fragte ich in der Deutschstunde und wusste sofort, wessen Finger gleich in die Höhe schießen würde. Ich hatte Recht. Natürlich hatte ich Recht. „Ja, Robert?“
  „Clemens Brentano lebte von 1778 bis 1842, Frau Dr. Messmann.“
  „Sehr gut“, sagte ich kühl und war froh, dass ich meine braunen Haare heute mal nicht, wie üblich, hochgesteckt, sondern offen gelassen hatte, so dass sie die Ohren verdeckten, die bestimmt längst dunkelrot angelaufen waren.
  Genau wie heute Morgen, als ich in meinem Fach vor dem Lehrerzimmer die tiefrote Baccararose entdeckte. es war bereits die dritte in Folge. Nur diesmal baumelte daran, mit blassblauem Seidenbändchen befestigt, zusätzlich noch ein zusammengefaltetes Din-A-4-Blatt. Darauf gedruckt, ein Liebesgedicht von Brentano:
  „Der Spinnerin Nachtlied“. Computerschrift Arial. Keine Unterschrift. Atemlos hatte ich das anonyme Präsent in meiner Umhängetasche verstaut. Dabei blickte ich mich verlegen nach allen Seiten um und hoffte inständig, dass niemand aus dem Kollegium bemerkte, was sich hier nun schon seit Anfang der Woche in schöner Regelmäßigkeit in meiner Ablage einfand, die doch eigentlich für nachzureichende Arbeiten und ähnliches gedacht war.
  Mir schwante sofort, wer der anonyme Verehrer sein musste: Robert Theermann, der hochaufgeschossene Junge mit de schwarzbraunen Mähne aus der 11b, der immer so einen träumerischen Glanz in den großen Augen hatte, sich um jedes Referat riss, nie seine Hausaufgaben vergaß, freudig die Tafel wischte, mir die Türen aufhielt und in keiner Arbeit etwas anderes schrieb als eine eins. Er hatte Grübchen in den Wangen, wenn er mich im Flur traf und lächelnd grüßte, und wirkte doch schon erstaunlich erwachsen für seine siebzehn Jahre. Dazu besaß er einen Charme, der mir gestandener Mittvierzigerin nicht nur einmal die Röte in die Ohren jagte. Aber an diesem Morgen eben ganz besonders.
  Denn nach den abgefragten Lebensdaten Brentanos betonte Robert plötzlich, wie ihn vor allem ein Gedicht dieses großen Literaten ganz besonders anrühre und er begann, genau jene Zeilen zu zitieren, die ich vorhin in meiner Freistunde noch selber auf dem Papier gelesen hatte:
  „'So oft der Mond mag scheinen / Gedenk ich dein allein / Mein Herz ist klar und rein / Gott wolle uns vereinen'“
  Robert sprach zart und gefühlvoll und mit soviel Herzblut im Vortragen, als wäre das Gedicht sein eigenes Werk. Ein paar Hinterbänkler kicherten dazwischen.
  Ich hielt die Augen auf mein Pult gesenkt. Mein Magen zog sich schmerzend zusammen, und was zunächst nicht mehr als ein vager Verdacht gewesen war, erhärtete sich in mir spätestens jetzt zur eindeutigen Gewissheit.

  Robert – nein, Robert, das ging nicht, das konnte er nicht tun, er konnte sich doch nicht ernsthaft in mich verliebt haben! Das musste ich unterbinden, bevor Hoffnungen in ihm wuchsen, die doch nie erfüllt werden könnten.
  Wenngleich... - ein abwesendes Lächeln tanzte über mein Gesicht, während ich meinen Wagen durch den Kölner Berufsverkehr steuerte und an einer Ampel stoppte. Ein schmeichelndes Gefühl war es schon, von einem Schüler angehimmelt zu werden, und der Gedanke, eines Morgens in den Armen dieses hübschen Jungen aufzuwachen nach einer Nacht voll ungezügelter, hemmungsloser Leidenschaft...
  Das Hupen hinter mir schwoll an. Die Ampel war längst auf Grün umgesprungen und mit dem Gasgeben zog ich mich abrupt in die Wirklichkeit zurück, erschrocken über meine frivolen Tagträume, die ich mit einem heftigen Kopfschütteln davonjagte.

  „Na, immer noch Brentano?“, fragte mich mein Mann über die Schulter, während ich mich am späten Nachmittag daheim für die nächste Stunde vorbereitete. Bei dem Namen 'Brentano' zuckte ich sofort wie ertappt zusammen.
  „Nein, das ist für die Englischstunde in der 10a. Ein paar Konjunktiv-Übungen“, erklärte ich. „Brentano ist die 11b, die habe ich erst am Freitag wieder.“
  „Na, dann will ich mal nicht weiter stören.“ Freitag, dachte ich und stierte über meine Aufzeichnungen hinweg in den Rosengarten vorm Fenster, der mittlerweile um ganze drei Baccararosen zugenommen hatte. Ich hatte es nicht übers Herz gebracht, die Blumen wegzuwerfen, aber einfach so zu Hause in die Vase stellen konnte ich sie ja auch nicht, ohne dass mein Mann misstrauisch geworden wäre. Und so habe ich sie, Stück für Stück, tief zwischen unsere dicken blühenden Rosenbüsche in die Erde mit dazugesteckt. Freitag, dachte ich noch einmal, Dienstag und Mittwoch. Und dann wieder Freitag...
  Schon im Mantel für seinen abendlichen Nachhilfekurs, drückte mir Helmut noch einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Dann verließ er das Haus, ließ mich allein. Wie so oft.
  Es tat mir weh, dass Helmut und ich viel zu wenig Zeit miteinander verbrachten, und auch in der Schule begegneten wir uns ja meistens nur noch auf halbem Weg von einem Klassenraum zum nächsten.

  Wie schön wäre es, hatte ich kürzlich erst gesagt, als wir – selten genug – mal wieder gemeinsam Feierabend hatten und mit seinem Wagen nach Hause fuhren, wenn wir endlich mal wieder zu etwas mehr Zweisamkeit fänden. Wenn wir was Nettes miteinander unternehmen würden und uns daran erinnerten, dass wir nicht nur auf dem Papier miteinander verheiratet sind. Oder mit unserem Beruf.
  „Ja, ja“, hatte Helmut da nur geseufzt und ich wusste nicht einmal, ob er mir überhaupt zugehört hatte.

  Ob es wohl anders wäre, wenn er von meinem hübschen jungen Rosenkavalier wüsste?, fragte ich mich am nächsten Morgen auf dem Weg ins Lehrerzimmer und wollte mich kurz an dem Gedanken erheitern. Aber die Aussicht, den Jungen demnächst in die Schranken zu weisen, ließ mich ganz flau im Magen werden.
  Eilig marschierte ich die Stufen hoch. Da waren die Fächer der Lehrkräfte. 'Kerstin Messmann'. Ich fischte ein paar Arbeitsbögen heraus, ein Rundschreiben vom Direktor – und die nächste Rose:
  lang, tiefrot, blassblaues Band darum. Und an diesem baumelte eine Eintrittskarte für die Oper ‚Tosca‘!
  Mit hocherhitzten Wangen betrat ich wenig später den Klassenraum. So, mein Freund, jetzt reicht es.
  „Robert, ich würde Sie heute nach der Stunde gerne mal kurz sprechen“, verkündete ich mit erstaunlich fester und klarer Stimme. Roberts Augen leuchteten auf.
  „Sehr gerne, Frau Dr. Messmann.“
  Die Hinterbänkler kicherten blöd, so wie immer, wenn Robert etwas sagte, während sie selber kaum eine Ahnung hatten, was eine Strophe von einem Reim unterschied.
  Nach dem Unterricht saß mir der verträumte Schüler allein gegenüber und schaute aus seinen dicht umwimperten Haselnussaugen zunächst hoffnungsvoll in mein Gesicht, und schließlich, nachdem ich ihn eine Weile streng gemustert hatte, beschämt an mir vorbei.
  „Ich nehme an“, begann ich und faltete betont ruhig meine Hände auf dem zerkratzten Holz, „Sie können sich denken, worum es geht..?“ Ich hätte mich ohrfeigen können für meine Herzlosigkeit, den Jungen so kalt und gefühllos jetzt und hier zur Rede zu stellen, der mir doch gar nichts Böses wollte. Ganz im Gegenteil sogar, aber – verdammt und zugenäht! – ich war nun mal seine Lehrerin! Und er konnte doch nicht wirklich geglaubt haben, das ich mich am Samstagabend von ihm in die Oper einladen lasse! Wie hatte er sich das überhaupt vorgestellt; wollte er sich dort, vor dem Schauspielhaus, dann endlich als mein heimlicher Verehrer zu erkennen geben, selbstsicher und souverän, wo er hier und jetzt vor Beschämung immer kleiner wurde in seinem Stuhl?
  „Sie haben mich also ertappt“, druckste er schließlich unsicher heraus und senkte die Augen. „Ich wusste nicht, dass es so offensichtlich war.“
  „Hören Sie, Robert“, erklärte ich, nun in versöhnlichem Tonfall, „so tiefe Gefühle sind etwas sehr Schönes, und es ist gut und wichtig, sie zum Ausdruck zu bringen, aber wir müssen eben – müssen eben – “ müssen was? Der treuherzige Blick seiner schmachtenden Samtaugen machte mich völlig konfus.
  „Es tut mir leid“, kam es dann mit dumpfer Stimme. „Ich habe versucht, dagegen anzukämpfen, aber ich schaffe es einfach nicht.“ Tiefes Seufzen, wie im Schmerz. „Ich weiß, es ist feige, dass ich anonym bleiben wollte – zunächst wenigstens. Aber wie sagt man jemandem, dass man ihn liebt, ohne Gefahr zu laufen, ausgelacht zu werden?“
  „Ich lache Sie bestimmt nicht aus“, versicherte ich aufrichtig. „Sie müssen nur verstehen, dass diese Liebe keine Zukunft hat.“
  Er schien mich gar nicht zu hören, setzte im selben Tonfall, wie zu sich selber redend, fort: „Ich wollte besonders originell und romantisch sein, dachte: Ich könnte es doch mal versuchen, und wenn sie kein Interesse an mir hat, wenn das wirklich alles keinen Sinn hat – “ Er stockte. Ich sagte: „Es hat keinen Sinn.“
  „Aber Ihr Unterricht, Frau Dr. Messmann - “ Seine Stimme war leiser geworden, flüsternd, beinahe zärtlich: „diese ganze wunderbare Epoche Goethes und Brentanos, diese großen, unerreichten Dichter – es hatte mich so berührt und mein Herz so angesprochen, dass ich dabei völlig vergaß, dass wir... dass ich...“ Kopfschütteln. Schweigen.
  „Dass Sie eben nicht Brentano sind, hm?“, half ich mit einem kleinen, aufmunternden Schmunzeln.
  „Ach, was soll ich denn machen“, stöhnte er schmerzerfüllt. „Sie haben ja keine Ahnung, wie mir zumute ist, Frau Doktor. Ob in der Schule oder zu Hause, ganz egal, wo ich bin, ich kann nichts anderes mehr denken, immer sehe ich sie vor mir, und diese wunderschönen himmelblauen Augen...“
  „Grün, Robert, sie sind grün. Aber davon abgesehen...“
  „Grün?“
  „Davon abgesehen: Ich muss Sie wirklich eindringlich bitten, Ihre... Avancen einzustellen. Es war weder dumm noch albern, sondern sehr gefühlvoll und romantisch. Es war nur eben – an der falschen Adresse!“
  „Grün sind sie, ich dachte, sie wären blau“, murmelte er zerstreut.
  „Robert, wie wäre es, wenn Sie einfach ein nettes Mädchen aus Ihrer Klasse in die Oper oder ins Theater einladen würden?“ „Was?“ Er klang verdutzt, wie eben aus tiefem Traum erwacht. Ich hob die Schultern. „Vielleicht die Sabine Wichert, die hinter Ihnen sitzt“, fiel mir die hübsche Blonde ein, mit der er letztens ein sehr gutes Referat über Schillers 'Wallenstein' zusammen vorgetragen hatte. Robert zog seine glatte Jungenstirn kraus und schaute mich an, als hätte ich ihm gerade gestanden, dass ich nicht bis drei zählen könnte. „Ja, aber... sagten Sie nicht eben, ich solle meine Avancen einstellen..?“ Nun war ich es, die sprachlos war. „Oder meinten Sie nur, mich offen zu erklären, sei besser als mit diesem Briefchen?“
  „Mit... diesem Briefchen..?“, echote ich. Meine Stimme klang auf einmal ganz krächzend.
  „Na ja, das ich Sabine heimlich in die Tasche geschoben habe. Das haben Sie doch gesehen, darum wollten Sie mich doch sprechen! - Frau Doktor? Ist alles in Ordnung?“
  „Was? Ich... oh – ja. - Ja, genau, genau das meine ich. Äh... ja, Robert, laden Sie sie in die Oper ein, ins Theater oder... oder ins Kino oder in die... in die Disco – es wird... bestimmt nett...“ Ich zog mich aus meinem Stuhl hoch. Die Ohren glühten und auch mein Gesicht brannte wie Feuer vor Scham. Wo ist das tiefe Loch, in das ich versinken kann? Himmel...!
  „Und Sie glauben, das würde sie dann nicht ausschlagen? - Frau Doktor?“
  „Wie? - Oh, nein; nein bestimmt nicht - “ Ich eilte zur Tür. Wann im Leben hatte ich mich das letzte Mal so sehr geschämt? „Ich... ich muss jetzt in... in die andere Klasse – “
  „Natürlich, Frau Doktor.“ Wie einer Aufforderung folgend, eilte er voran und hielt mir die Tür auf. Höflich, ritterlich, ein Benehmen aus einer längst vergessenen, und von diesem Schüler zutiefst verehrten Epoche.
  „Und... unser Gespräch...“, begann ich, schaute ihn hilflos an.
  „Bleibt natürlich unter uns, Frau Dr. Messmann.“
  Ja, unbedingt.

  Wie in Trance erreichte ich das Lehrerzimmer.
Frau Merker stand am Kopierer, der dicke Wendland rieb sich seinen Specknacken und öffnete mit der anderen Hand gerade ein Fenster. Kollegin Bergmeier knabberte an einem Apfel und beschwerte sich über den Zug, der durchs Fenster wehte, und Prof. Kerner hielt einen Stoß Blätter auf der Tischplatte fest, die durch den plötzlichen Windstoß davonzuflattern drohten. Der Windstoß legte sich, als ich die Tür hinter mir schloss. Ich muss ausgesehen haben wie ein Gespenst, denn alles schaute bestürzt zu mir herüber. Ein: „Ist etwas passiert? Fühlen Sie sich nicht wohl, liebe Kollegin? Setzen Sie sich doch, Sie sind ja ganz blass!“
  Eben noch war ich puterrot gewesen und jetzt also blass. Ausdruckslos starrte ich von Wendland zu Kerner und wieder zu Wendland zurück. Die Rose. Die Gedichtzeilen von Brentano. Die Eintrittskarte in die Oper. Mein stiller Verehrer --- wer war es..? Doch nicht etwa...
  Aus dem Nebenzimmer trat der silberhaarige Rektor Herr Schobel ein und reichte der Merker einen Bündel Papiere. Ein höfliches Kopfnicken in meine Richtung: „Ah, Frau Kollegin Messmann, gut, dass ich Sie treffe! Haben Sie die Krankschreibung von letztem Monat dabei?“
  Ich kramte in meiner Tasche, schob Rose und Ticket darin zittrig beiseite. Da war die Krankschreibung.
  „Danke, das ist nett.“ Er nahm das Papier – stutzte, trat näher. „Sind Sie sicher, dass Sie ganz in Ordnung sind? Sie sind käseweiß um die Nase. Ist Ihnen nicht gut?“
  „Nein, nein, es ist schon alles in Ordnung“, druckste ich heraus. „Es ist nur... ich komme gerade aus der 11b, die... die sind im Moment nicht ganz einfach, wissen Sie...“
  „Die 11b?“, quäkte die dürre Bergmeier dazwischen und warf ihren Apfelgriebsch in einen Papierkorb. „Also bei mir sind die eigentlich immer ganz verträglich...“
  „Danke, Frau Kollegin, für die Information“, kam es in leicht süffisanter Zurechtweisung vom Rektor, und lächelnd, wieder zu mir: „Machen Sie sich nichts draus, Schüler sind mal so und mal so, das kennen wir doch. Das renkt sich schon wieder ein.“ Er legte mir eine Hand auf die Schulter, senkte seine Stimme: „Sie sollten sich nicht zu viel zumuten. Haben Sie doch gar nicht nötig, sich selber so unter Druck zu setzen. Lassen Sie mal locker, gönnen Sie sich was Schönes!“ Noch einmal Schulterklopfen, dann steuerte er zur Tür, griff nach der Klinke, zögerte. „Vielleicht“, hob er dann an, indem er sich noch einmal zu mir umdrehte, und ein verschmitzte Lächeln trat auf seine Züge, „einen netten Abend in der Oper. Im Schauplatz spielen am Samstag Puccinis 'Tosca' - “und mit einem Zwinkern und kessem: „Das wäre doch vielleicht was für Sie..?“ verschwand er hinter der Tür.
  Ich sperrte Mund und Augen auf. Jetzt brauchte ich wirklich einen Stuhl.

  Peter Schobel! Also doch! Also doch...? Die folgenden Tage hatte ich hin- und herüberlegt mit stetig wachsender Unruhe im Magen. Sollte ich der Einladung folgen? Sollte ich nicht? Und sollte tatsächlich unser Schulrektor dahinter stecken? Die Neugier hatte letztlich gesiegt und so stöckelte ich am Samstagabend aufgeregt durchs Theaterfoyer, suchte mit den Augen durch den rotsamtigen Saal – und blieb im nächsten Moment wie angewurzelt stehen.
  Ein Mann, mit silbergrauem Haar und elegantem Smoking trat lächelnd aus einer Ecke heraus – aber Peter Schobel war es nicht...
  „Helmut..?“, entfuhr es mir ungläubig und ich schaute meinen Mann an, als wäre er ein Wesen von einem fremden Stern. „Wie... kommst du denn hierher?“ Wie zur Antwort zog er eine langstielige Baccararose hinter seinem Rücken hervor – und endlich verstand ich.
  „Diese Rose, mein Schatz“, erklärte er feierlich, „soll dich daran erinnern, dass ich dich noch immer genau so liebe wie am ersten Tag. Und dass das auch so ist, wenn uns beiden die Arbeit mal wieder über den Kopf wächst, sollten dir die Rosen sagen, die du in den letzten Tagen in deinem Fach gefunden hast.“ Er schmunzelte, hob mit dem Zeigefinger mein Kinn. „Ich denke, die Botschaft ist angekommen, hm?“
  „Aber.. aber...“, stammelte ich, mein Herz war ganz warm geworden und ich spürte einen dicken Tränenkloß im Hals. „Ich dachte... du... du bist bei deinem Förderunterricht...“
  „Am Wochenende gibt es keinen Förderunterricht, mein Liebes. Heute nicht und auch nicht in Zukunft. Da gibt es nur noch uns.“
  „O Helmut... ich hätte ja nie gedacht, dass ausgerechnet du...“ Sein Lachen unterbrach mein unsicheres Stammeln, sanft zog er mich in seine Arme. „Na na na! Du wirst mir doch jetzt nicht ernsthaft weismachen wollen, dass du nicht schon von Anfang an geahnt hast, dass ich dein stummer Rosenkavalier bin?“
  „Ich...“, begann ich, schniefte, biss mir auf die Lippen, und sagte dann, mit einem kleinen heimlichen Schmunzeln zwischen meinen Tränen: „Nein, natürlich nicht... Keine Sekunde lang hatte ich irgend jemand anderen in Verdacht...“


Ende




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